Jul 21
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Dr. Wiebke Vogelaar
Die Frage nach dem nächsten Kind
Vor ziemlich genau 8 Jahren habe ich meine Dissertation eingereicht und wenige Wochen später verteidigt. Whoop! Das mit den 8 Jahren ist einerseits schwer zu glauben…anderseits sind die beiden Babies, die ich bei meiner Verteidigung mit im Bauch dabei hatte, jetzt auch schon fast am Ende ihres ersten Schuljahres…
Die Erinnerung an diesen Meilenstein, möchte ich auch dafür nutzen hier ein Thema anzusprechen, dass mir in meinen Coachings sehr oft begegnet - und mich um diese Zeit herum ebenfalls sehr beschäftigt hat: Die Frage nach einem nächsten Kind.
/// Falls das Thema Kinderwunsch zu schmerzhaft für dich sein sollte, dann höre hier auf zu lesen, das ist okay. 💜 ///
Der richtige Zeitpunkt?
Die Frage nach dem "richtigen Timing" des Kinderwunsches, treibt wohl die meisten Frauen und anderen gebärfähigen Menschen um. Denn, wie wir spätestens nach dem ersten Kind wissen, hat Mutterschaft ganz wundervolle Seiten, aber eben auch Konsequenzen für die eigene Lebensgestaltung. In der Wissenschaft, mit ihren oft prekären Verhältnissen, unsicheren Karrierewegen und dem teilweise erschlagendem Druck der Qualifikationsphase, gilt das alles umsomehr.
In meine erste Schwangerschaft bin ich mitten in der Promotions recht sorglos - oder wollen wir es einfach naiv nennen? - gestartet. Ich war mit kleinem und dickem Bauch weiterhin international auf Forschungs- und Konferenzreisen unterwegs und habe das auch in der Baby- und frühen Kleinkindphase weitergeführt.
Dann folgte die absolute Erschöpfung. Meine Diss wurde und wurde nicht fertig. Ich hingehen war fertig. Vom nächtlichen Stillen, vom Mental Load, von der Dauerverfügbarkeit, von der Frembestimmung. Vom Schreiben. Vom Funktionieren.
Und doch war da der Wunsch nach einem zweiten Kind. Trotz der Erschöpfung. Auch der Gedanke, den viele wohl kennen, daran, dass ja der Altersabstand der Geschwisterkinder nicht zu groß werden soll, trieb mich und uns um. Bei anderen Müttern kommen noch ganz andere Themen hinzu, wie Traumata erster Geburten und Schwangerschaft, Verluste und Hoffnungen.
Ich entschied mich damals die Fertigstellung meiner Diss zu priosieren - und damit indirekt auch für mich und meine Gesundheit, die Diss plus Schwangerschaft ehrlicherweise nicht ausgehalten hätte. Das war oft hart. Meine Textbeziehung litt darunter, weil ich das Schreiben (und noch mehr das Nicht-Schreiben) dafür verantwortlich gemacht habe, kein zweites Kind bekommen zu können.
Aber ich fokussierte mich auch mit dem Gedanken “erst die Diss, dann das zweite Kind” und wurde fertig, gab meine Diss am 4. Juni 2018 ab…und war 4 Tage später schwanger. Ich hatte bis nach der Abgabe gewartet. Das war ja der Plan. 😁
7 Wochen später durfte ich meine Diss dann verteidigen.
Von dem Loch, in das ich danach - völlig erschöpft vom Endspurt und den Jahren davor und der Verteidigung und der frühen Schwangerschaft - gefallen bin, erzähle ich euch ein anderes Mal.
Von dem Loch, in das ich danach - völlig erschöpft vom Endspurt und den Jahren davor und der Verteidigung und der frühen Schwangerschaft - gefallen bin, erzähle ich euch ein anderes Mal.
Ich feiere die Mütter in meiner Community!
Jetzt möchte ich lieber noch weiter feiern! Ich feiere alle die, die jetzt gerade schreiben - an ihrer Diss, an ihrer Habil, an Aufsätzen und Anträgen. Die schon Mütter sind oder noch werden wollen. Die einen Kinderwunsch haben, aber denken, dass es nicht geht. Und es dann doch wagen. Weil es geht. Weil es den perfekten Moment nicht gibt.
Und gleichzeitig feiere ich alle die, die sich für sich entscheiden und den Kinderwunsch (vorerst oder ganz) verabschieden wollen/müssen/können/dürfen.
Ich feiere die wundervollen Menschen, die ich in den letzten Jahren im Rahmen von Alma Mater auf genau diesem Weg, begleiten durfte. Die das nicht alles alleine mich sich ausmachen mussten. Für deren Prozesse es einen Raum gab. Und jetzt und hier möchte ich einigen von ihnen feiern, die sich für den Kinderwunsch entscheiden konnten UND für ihr Schreiben:
So feiere ich Miriam, die sich gefragt hat, ob sie ein zweites Kind in ihrer Post-Doc Zeit bekommen kann. Und die dann durch mein Retreat im letzten Juli so viel Hoffnung und Kraft tanken konnte, dass sie jetzt mit ihrem Baby in der Elternzeit ist. Das Projekt darf danach weitergehen.
Ich feiere Florence, die nach einem halben Jahr in der Alma-HOOD mit ihrem dritten Kind schwanger geworden ist und die ich, und wir als Community, bis zum Mutterschutz begleiten durften. Florence pausiert jetzt für einige Monate und kommt dann im Spätsommer zurück in die HOOD. In der Zwischenzeit darf das Schreiben ruhen, weil sie weiß, dass sie nach ihrer Rückkehr wieder in ihre Diss reinfinden wird.
Ich feiere Katrin, die vor 1,5 Jahren mit einem halben Paper ihrer kumulativen Dissertation in der Tasche zu mir kam - mit Kleinkind und Wunsch nach einem zweiten. Vor wenigen Wochen hat Katrin ihr Baby zur Welt gebracht und kurz vor der Geburt noch ihre Dissertation verteidigt.
Und ich feiere Lisa, die just diesen Montag ihre Diss verteidigt hat. Und zwar in der 38. SSW! Lisa kam in die Alma-HOOD mit dem Wunsch ihre Arbeit innerhalb eines Jahres abzuschließen. Mit der Gemeinschaft und der Unterstützung, die sie dort bekommen hat, hat es geklappt.

Es ist so toll, First name, 8 Jahre nach der eigenen Abgabe, so wundervolle Nachrichten,wie die von Lisa, zu bekommen und solche Geschichten mitprägen zu dürfen!
Und weißt du, auch alle Momente dazwischen sind so wertvoll: Es wird in der Alma-HOOD nicht erst dann gefeiert, wenn jemand abgibt. Oder schwanger wird. Oder ein Baby zur Welt kommt. Es geht um die Wertschätzung und die Begleitung des Prozesses. Um die vielen kleinen Momente. Auch um die Zweifel. Auch um die Herausforderungen. Auch um die Entscheidungen gegen etwas.
Allem voran geht es darum, das alles nicht alleine machen zu müssen. Das hätte ich mir vor Jahren auch so sehr gewünscht! Denn so sehr ich auf dem Foto meiner Verteidigung strahle, so müde war ich auch. So einsam habe ich mich in der Strecke hin zur Abgabe immer wieder gefühlt.
Falls es dir auch so geht: Welcome to the HOOD! Ich habe letzte Woche ein Webinar zur Alma-HOOD gegeben. Schau es dir gerne hier als Aufzeichnung an oder komm einfach direkt dazu und probier aus, wie es sich anfühlt jeden Tag von Struktur und Gemeinschaft getragen zu werden. Und wie Dinge greifbar werden, von denen wir denken, dass sie unmöglich sind.
Herzlich,
Wiebke
Dr. Wiebke Vogelaar - Copyright © 2026 - Illustrationen: Sarah Neuendorf @gretasschwester - Fotos: Marcia Friese Fotografie
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